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Ausführliche Chronik

Die ausführliche Chronik

Sieben Teile von FAIR bis zur Einordnung. ← Zurück zur interaktiven Zeitleiste

Vorbemerkung (Methodik)

Diese Chronik folgt dem gleichen Anspruch wie die übrigen Geschichten dieses Projekts: Fakten werden belegt, Unsicherheit wird benannt, und Tatsachen werden von Deutung getrennt. Quellenpriorität: Primärquellen (Meta AI Blog, Meta Newsroom, SEC-Filings, arXiv, Unternehmensmeldungen) > seriöse Presse (Reuters, CNBC, The Verge, TechCrunch, Bloomberg, VentureBeat, NYT, WSJ) > Sekundärquellen (nur ergänzend). Benchmark-Zahlen werden als Momentaufnahme behandelt, sofern sie nicht aus offiziellen technischen Reports oder unabhängig reproduzierten Tests stammen.

Legende: ✅ Faktum (belegt) · 🟡 teilweise belegt / vorsichtig zu lesen · 🔵 Interpretation.

Ein roter Faden: Meta ist das Schwergewicht, das seine eigene DNA umbauen musste, um mitzuhalten. Aus dem akademisch-offenen FAIR-Labor und dem Open-Weight-Vorreiter der Llama-Ära wurde 2025/26 ein Konzern, der seine KI-Organisation radikal zentralisierte, sehr große Compute- und Talentbudgets mobilisierte und mit Muse Spark ein geschlossenes Frontier-Modell aus Meta Superintelligence Labs vorlegte. Das ist kein einfacher Wechsel von „offen“ zu „geschlossen“, sondern ein Spannungsfeld aus Open-Science-Erbe, source-available Llama-Lizenz, Produktdistribution über Milliarden Nutzer und proprietärem Frontier-Wettbewerb.


Teil I — FAIR & die Open-Science-DNA (2013–2022)

1.1 Yann LeCun und die Gründung von FAIR

✅ Im Dezember 2013 gründete Facebook das Labor Facebook AI Research (FAIR) und holte den Deep-Learning-Pionier Yann LeCun von der NYU. LeCun (2018 gemeinsam mit Geoffrey Hinton und Yoshua Bengio Turing-Award-Träger) prägte FAIR als universitätsnahes, publikationsfreudiges Labor mit Standorten in Menlo Park, New York, Paris, London u. a. Genau diese akademische DNA wurde später zum Keim eines Strategiekonflikts: Forschungsoffenheit und Publikationskultur auf der einen Seite, Frontier-Produktdruck und proprietäre Modelle auf der anderen.

Quellen: TechCrunch – LeCun heads Facebook AI Lab · Facebook Engineering – FAIR partnership program

1.2 PyTorch — Metas größter Beitrag zur Branche

✅ 2017 veröffentlichte FAIR PyTorch als Open-Source-Deep-Learning-Framework. Es wurde rasch zum Standard in Forschung, Lehre und Industrie; 2018 folgte PyTorch 1.0 als stärker produktionsreife Version. Nach der Umbenennung von Facebook zu Meta (Oktober 2021) firmierte das Labor als Fundamental AI Research — das Akronym FAIR blieb.

🔵 PyTorch ist Metas nachhaltigster KI-Beitrag: Die halbe KI-Welt baut bis heute darauf. Dieses Open-Source-Erbe erklärt, warum Metas spätere Closed-Weight-Wende so stark auffällt.

Quellen: Facebook Engineering – PyTorch 1.0 · PyTorch Blog – developer tools

1.3 Jenseits von Llama: Segmentation, Multimodalität und Weltmodelle

✅ Vor und neben den LLMs baute Meta eine starke multimodale Forschungslinie auf. Wichtige Meilensteine:

  1. Segment Anything / SAM (April 2023): ein Foundation Model für Bildsegmentierung mit dem SA-1B-Datensatz (über 1 Mrd. Masken auf 11 Mio. Bildern).
  2. ImageBind (Mai 2023): ein Modell, das Repräsentationen über sechs Modalitäten verbindet.
  3. V-JEPA (Februar 2024): ein Video-Modell auf Basis von Yann LeCuns Joint-Embedding-Predictive-Architecture-Idee, gedacht als Schritt Richtung Weltmodelle.
  4. SAM 2 (Juli 2024): ein einheitliches Segmentierungsmodell für Bilder und Videos, inklusive Echtzeit-Tracking.
  5. Movie Gen (Oktober 2024): Medien-Foundation-Modelle für Text-zu-Video, Audio, Editing und Personalisierung.
  6. V-JEPA 2 (Juni 2025): ein 1,2B-Parameter-Weltmodell für visuelles Verstehen, Vorhersage und Zero-Shot-Roboterplanung.

🔵 Diese Reihe fehlte bisher in der Chronik. Ohne sie wirkt Meta zu sehr wie ein reiner Llama-Anbieter. Tatsächlich war Meta AI immer auch Computer-Vision-, Multimodal- und Weltmodell-Forschung.

Quellen: Meta AI – Segment Anything · Meta AI – ImageBind · Meta AI – V-JEPA · Meta Newsroom – SAM 2 · Meta Research – Movie Gen · Meta AI – V-JEPA 2


Teil II — Die Llama-Ära (2023–2025)

2.1 LLaMA und der Leak (Februar/März 2023)

✅ Am 24. Februar 2023 kündigte Meta LLaMA an (7B/13B/33B/65B) — zunächst für Forschung, nicht für kommerzielle Nutzung. Schon Anfang März 2023 wurden die Gewichte über Torrent verbreitet und entfachten die Open-Weight-Debatte schlagartig: Teile der Community feierten die freie Verfügbarkeit, Sicherheitsexperten warnten vor unkontrollierter Verbreitung.

Quellen: arXiv – LLaMA paper · The Verge – LLaMA leak

2.2 Llama 2 — die kommerzielle Open-Weight-Wende (Juli 2023)

✅ Am 18. Juli 2023 veröffentlichte Meta gemeinsam mit Microsoft Llama 2 (7B/13B/70B) und gab es für kommerzielle Nutzung frei. Damit positionierte sich Meta als wichtigster Open-Weight/source-available-Akteur im LLM-Markt und gewann enorme Sympathien in der Entwicklergemeinde.

🟡 Wichtig ist die Begriffsgenauigkeit: Llama 2 war offen verfügbar und kommerziell nutzbar, aber wegen Lizenzbeschränkungen nicht „Open Source“ im strengen OSI-Sinn.

🔵 Llama wurde zur Basis vieler Ableger und Feintunings — Metas eigentliches Distributions- und Einflussinstrument im offenen Ökosystem.

Quellen: Meta AI – Llama 2 · Ars Technica – Llama 2 license debate

2.3 Llama 3, Meta AI und Llama 3.1 405B (2024)

✅ Llama 3 erschien am 18. April 2024 mit 8B- und 70B-Modellen. Gleichzeitig machte Meta den Assistenten Meta AI deutlich sichtbarer: eingebunden in WhatsApp, Instagram, Facebook, Messenger und auf meta.ai, gebaut auf Llama 3.

✅ Am 23. Juli 2024 folgte Llama 3.1 mit 8B, 70B und dem Flaggschiff 405B. Das 405B-Modell machte Meta erstmals zu einem ernsthaften Open-Weight-Konkurrenten proprietärer Systeme und gilt als Meilenstein der offenen Modellbewegung.

Quellen: Meta AI – Llama 3 · Meta Newsroom – Meta AI assistant built with Llama 3 · Meta AI – Llama 3.1

2.4 Meta AI wird Produktplattform (2025)

✅ Am 29. April 2025 startete Meta eine eigenständige Meta AI App. Sie verband Personalisierung, Sprachinteraktion, Discover-Feed und eine Companion-Funktion für Meta-AI-Brillen; die Weboberfläche meta.ai bekam parallele Funktionen. Meta beschrieb die App als auf Llama 4 gebaut.

🔵 Das ist ein wichtiger Meilenstein, weil Meta nicht nur Modelle veröffentlicht, sondern diese in ein enormes Produkt- und Social-Graph-Ökosystem schiebt. Distribution ist bei Meta kein Nebenschauplatz, sondern strategischer Kern.

Quellen: Meta Newsroom – Introducing the Meta AI app

2.5 Llama 4 und der Benchmark-Skandal (April 2025)

✅ Am 5. April 2025 erschienen die ersten Llama-4-Modelle als Mixture-of-Experts: Scout (17B aktiv / 109B gesamt, 10M-Token-Kontext) und Maverick (17B aktiv / 400B gesamt, 1M-Kontext), nativ multimodal. Angekündigt, aber Stand Oktober 2026 nicht veröffentlicht: Behemoth (2 Bio. gesamt / 288B aktiv).

🟡 Der Launch wurde von einem Benchmark-Streit überschattet: Meta reichte beim LMArena-Leaderboard eine experimentelle, speziell optimierte Maverick-Variante ein. Später wurde deutlich, dass diese nicht dem öffentlich bereitgestellten Modell entsprach; LMArena verschärfte daraufhin seine Einreichungsregeln. Die konkreten Rangplätze einzelner Nachtests sind Momentaufnahmen.

Quellen: Meta AI – The Llama 4 herd · The Register – Llama 4 benchmark controversy · Neowin – Maverick retest

2.6 Behemoth auf Eis & der EU-Ausschluss (2025)

✅ Behemoth wurde mehrfach verschoben und Stand Oktober 2026 nicht veröffentlicht. Offiziell ist keine Absage belegt; Berichte nennen Zweifel am Leistungssprung, während Meta Behemoth weiter als „Teacher Model“ für Scout/Maverick rahmte. Parallel veröffentlichte Meta die multimodalen Llama-4-Modelle nicht in der EU: Die Lizenz schließt in der EU ansässige Organisationen aus, begründet mit regulatorischer Unsicherheit.

🔵 Die Llama-Lizenz war ohnehin nie „Open Source“ im Sinne der OSI: Nutzerschwellen, geografische und inhaltliche Beschränkungen. Der EU-Ausschluss machte diese Einschränkungen sichtbar.

Quellen: Computerworld – Behemoth on pause · ioplus.nl – EU von Llama 4 ausgeschlossen · Simon Willison – Llama and the EU AI Act


Teil III — Strategiewechsel & Meta Superintelligence Labs (2025)

3.1 Der Talentkrieg und die Scale-AI-Wette (Juni 2025)

✅ Im Juni 2025 begann Zuckerberg, KI-Forscher persönlich zu rekrutieren; mehrere Medien berichteten über außergewöhnlich hohe Vergütungspakete. Am 12. Juni 2025 kündigte Scale AI eine neue Unternehmensphase an: CEO Alexandr Wang wechselte zu Meta, während Jason Droege Scale als Interim-CEO übernahm. Parallel wurde Metas 14,3-Mrd.-USD-Investment in Scale AI berichtet; Wang wurde Chief AI Officer von Meta.

🔵 Die Struktur als Investment statt Vollübernahme war strategisch: Meta bekam Wang, Daten-/Evaluierungsnähe und Scale-Know-how, ohne eine klassische Übernahme zu erklären.

Quellen: Scale AI – Company evolution · CNBC – Scale founder Wang exits for Meta · Meta – Alexandr Wang, CAIO · WSJ – Recruiting push

3.2 Gründung von Meta Superintelligence Labs (30. Juni 2025)

✅ Am 30. Juni 2025 verkündete Zuckerberg die Meta Superintelligence Labs (MSL). Wang wurde Chief AI Officer; Nat Friedman (Ex-GitHub-CEO) übernahm eine zentrale Produkt-/Applied-Rolle. MSL bündelte Foundation Models, Produkte, FAIR und Infrastruktur enger unter einer Superintelligence-Strategie. Im August 2025 wurde MSL in Gruppen wie TBD Lab, FAIR, Products & Applied Research und MSL Infra gegliedert.

🔵 Damit wurde FAIR nicht einfach abgeschafft, aber organisatorisch in eine härter produkt- und frontierorientierte Struktur eingebettet.

Quellen: CNBC – Zuckerberg memo on MSL · Bloomberg – MSL restructuring

3.3 Entlassungen und der Abgang von Yann LeCun (Okt.–Nov. 2025)

✅ Im Oktober 2025 strich MSL rund 600 Stellen, vorwiegend in FAIR, Produkt- und Infrastrukturteams; TBD Lab blieb Berichten zufolge verschont. Im November 2025 wurde bekannt, dass Yann LeCun Meta verlassen und AMI Labs aufbauen würde, ein auf Weltmodelle ausgerichtetes Startup. Im März 2026 meldeten mehrere Quellen eine Seed-Runde über rund 1,03 Mrd. USD bei etwa 3,5 Mrd. USD Vorbewertung 🟡.

🔵 Der Schritt war symbolisch groß: Ausgerechnet der Open-Science-Pionier LeCun verließ die Organisation in dem Moment, in dem Wang/TBD Lab und MSL das neue Zentrum der KI-Strategie wurden.

Quellen: TechCrunch – Meta cuts 600 AI jobs · TechCrunch – LeCun plans to leave Meta · TechCrunch – AMI Labs seed round · Tech.eu – AMI Labs funding

3.4 Der Talentkrieg hält an (2026)

✅ Auch ein Jahr nach der Scale-AI-Wette bleibt die Personalfront in Bewegung — weiterhin in beiden Richtungen. Am 24. August 2026 bestätigte Axios den Wechsel von Luke Metz zu Meta Superintelligence Labs: Metz, ein prominenter OpenAI-Forscher, hatte OpenAI 2024 Richtung Mira Muratis Thinking Machines verlassen, war Anfang 2026 zu OpenAI zurückgekehrt und startete nun bei Meta.

✅ In die andere Richtung ging es zwei Wochen später: Am 9. September 2026, einen Tag nach dem Start des Agenten Muse, meldete Semafor den Abgang von Andrew Tulloch, Forscher im TBD Lab und der bekannteste Name aus Metas Abwerbung bei Thinking Machines. Tulloch hatte elf Jahre bei Meta gearbeitet, war 2023 zu OpenAI gegangen (GPT-4o, GPT-4.5, o3), hatte Thinking Machines mitgegründet und war im Oktober 2025 zu Meta zurückgekehrt; laut Semafor hatte er seinen Abgang bis zum Muse-Start hinausgezögert. Das Wall Street Journal berichtete am 10. September, er wechsle zu Anthropic in das Inferenz- und Performance-Team. Das kolportierte Angebot von 1,5 Mrd. USD über sechs Jahre nannte Meta-Sprecher Andy Stone „inaccurate and ridiculous“; die tatsächlichen Konditionen sind nicht bekannt. Die Meta-Aktie gab nach der Meldung rund 1 % nach.

🔵 Zugang und Abgang binnen drei Wochen zeigen dasselbe Muster: Metas Anwerbemaschine läuft weiter, aber die Bindung hält nicht immer. Der Talentkrieg ist ein Kreislauf, in dem dieselben Köpfe zwischen OpenAI, Thinking Machines, Anthropic und Meta rotieren.

Quellen: Axios/Yahoo – Meta hires OpenAI veteran Luke Metz · Semafor – Andrew Tulloch is leaving Meta · The Next Web – Tulloch leaving for Anthropic


Teil IV — Muse Spark, der proprietäre Bruch, die teilweise Öffnung und der Agent Muse (2026)

4.1 Muse Spark — das erste MSL-Modell (8. April 2026)

✅ Am 8. April 2026 stellte Meta Muse Spark vor, das erste Modell der neuen Muse-Reihe aus Meta Superintelligence Labs. Axios berichtete, der interne Codename sei Avocado gewesen. Meta selbst beschreibt Muse Spark als Ergebnis eines neunmonatigen Neuaufbaus des AI-Stacks: klein und schnell im Design, mit Reasoning-Fähigkeiten für u. a. Wissenschaft, Mathematik und Gesundheit, multimodaler Wahrnehmung, visueller Coding-Hilfe und der Fähigkeit, mehrere Subagenten zu starten. Muse Spark treibt die Meta-AI-App und meta.ai an; am 12. Mai 2026 aktualisierte Meta die Ankündigung um den Rollout in WhatsApp, Instagram, Facebook, Messenger und AI-Brillen.

🟡 Nicht belastbar genug sind bisher genaue Modellparameter, Gewichtszugang, Trainingsdaten, eine „Thought Compression“-Mechanik oder konkrete Token-Einsparungen gegenüber Claude. Diese Angaben tauchten in Sekundärberichten auf, waren aber in Metas offizieller Ankündigung nicht als technische Spezifikation auffindbar. Deshalb wurden sie aus der harten Faktendarstellung entfernt.

🔵 Der Bruch: Muse Spark ist zum Start closed-weight und nur über Meta-Produkte bzw. eine private API-Vorschau verfügbar. Meta signalisierte zwar, künftige Versionen teilweise wieder offenlegen zu wollen, aber Muse Spark markiert klar den proprietären Frontier-Pfad innerhalb von MSL.

Quellen: Meta Newsroom – Introducing Muse Spark · Axios – Meta debuts Muse Spark · TechCrunch – Meta debuts Muse Spark · Bloomberg – first AI model from MSL

4.2 Benchmark-Einordnung: vorsichtiger lesen

🟡 Muse Spark wurde in Presse und externen Leaderboards als deutlicher Schritt nach vorn, aber nicht als eindeutiger State-of-the-Art-Durchbruch eingeordnet. Axios formulierte ausdrücklich, Muse Spark sei nicht die neue SOTA-Spitze, könne aber in bestimmten Aufgaben konkurrenzfähig sein. Da Meta keinen vollständigen technischen Report, keine Gewichte und keine reproduzierbaren Benchmark-Details veröffentlicht hat, sollten konkrete Intelligence-Index-Zahlen oder Vergleiche mit GPT, Gemini und Claude nur als flüchtige externe Momentaufnahmen erscheinen.

🔵 Die Botschaft ist deshalb nüchterner als zuvor: Muse Spark zeigt, dass Meta den Rückstand verkürzen will, beweist aber noch nicht, dass MSL die Frontier-Führung erreicht hat. Als nächster möglicher Multimedia-Schritt wurde in Berichten „Mango“ erwähnt 🟡; belastbare offizielle Details stehen auch Stand Oktober 2026 aus.

Quellen: Axios – Meta Muse Spark · TechCrunch – Mango/Muse reporting · CNBC – Wall Street on Muse Spark

4.3 Die Muse-Kadenz (Juli–September 2026)

✅ Nach dem April-Start beschleunigte MSL die Release-Frequenz deutlich — drei Flaggschiff-Versionen in acht Wochen:

  1. Muse Spark 1.1 (9. Juli 2026): agentische Werkzeugnutzung, Computer Use, parallele Subagenten und 1-Mio.-Token-Kontext. Zugleich startete die neue, OpenAI-kompatible Meta Model API als Public Preview — zunächst nur für US-Entwickler, mit aggressivem Preis ($1,25/$4,25 pro Mio. Token). Damit war 1.1 Metas erstes kostenpflichtiges Modell; in der Meta-AI-App lief es als „Thinking“-Modus. Meta veröffentlichte eigene Benchmark-Charts (u. a. MCP Atlas 88,1), aber keine Parameter, keinen Knowledge-Cutoff und keine EU-Zusagen.
  2. Muse Spark 1.2 & Muse Code (5. August 2026): das erste kommerzielle Produkt der Einheit, die Wang nach dem ~14,3-Mrd.-USD-Scale-Deal aufgebaut hatte. Dazu Muse Code, Metas erster Terminal-Coding-Agent (Beta, macOS/Linux, asynchrone Hintergrund-Agenten). Die API öffnete sich mit „expanded global access“; ein Contributor-Tarif ($0,10/$0,20) machte die Nutzung rund zwölfmal billiger — im Tausch gegen die Trainingsnutzung von Prompts und Outputs. Artificial Analysis wies 1.2 mit Index 57 aus (externe Momentaufnahme).
  3. Muse Spark 1.3 (2. September 2026): laut Meta rund 20 % weniger Tool-Calls und 25 % weniger Token als 1.2 bei unverändertem Preis; multimodale Eingabe, 1M-Kontext, Rückfragen bei unklaren Inputs statt Raten. Wang sagte, das Coding liege über GPT-5.6 Sol und auf Augenhöhe mit Claude Fable 5.1 — die Scorecard erschien jedoch nur als Diagramm ohne Zahlen. Max-Reasoning-Modi sollen erst nach zusätzlichen Sicherheitstests folgen.

🟡 Parallel berichteten Medien im Juli 2026 von „Watermelon“, dem internen Codenamen des nächsten großen MSL-Modells: Wang soll intern gesagt haben, es habe GPT-5.5 in Benchmarks eingeholt — ohne benannte Benchmarks oder veröffentlichte Ergebnisse. Offiziell ist das unbestätigt.

🔵 Die Kadenz selbst ist die Nachricht: MSL arbeitet wie ein Produktteam, nicht wie ein Forschungslabor. Die Belege für die Leistungssprünge bleiben aber überwiegend Hersteller-Charts; die EU-Verfügbarkeit der API ist von Meta nicht bestätigt, DSGVO-Zusagen fehlen.

Quellen: SQ Magazine – Muse Spark 1.1 · CNBC/Yahoo – Muse Spark 1.2 & Muse Code · Layer3 Labs – Muse Spark 1.2 pricing tiers · BuildFastWithAI – Muse Spark 1.3 · IT之家 – Muse Spark 1.3 (Wang-Statement) · innFactory – Modell-Übersicht Meta · Vasundhara – Watermelon (Berichtslage)

4.4 Muse Glimmer — die teilweise Rückkehr zu offenen Gewichten (10. August 2026)

✅ Am 10. August 2026 veröffentlichte MSL Muse Glimmer: ein dichtes 30B-Modell, aus Muse Spark 1.2 destilliert, multimodal (Text, Bild, Video bis 2 fps), für „always-on local agentic workflows“ — lauffähig auf einer einzigen Consumer-GPU (18–20 GB in 4-Bit). Entscheidend ist die Lizenz: Apache 2.0, OSI-anerkannt, ohne Umsatzdeckel, ohne Nutzer-Obergrenze und ohne den EU-Ausschluss der Llama-4-Community-License — permissiver als jede Llama-Lizenz, die Meta je nutzte. Zuckerberg begleitete den Release mit einem Essay („Rather than centralizing superintelligence, we should distribute it widely …“), und Meta kündigte an, auch die Gewichte von Muse Spark selbst offenzulegen — Stand Oktober 2026 ohne Datum.

🟡 Die Leistung ist umstritten: Metas eigene Benchmarks (SWE-Bench Verified 76,0, MCP Atlas 75,5) stehen unabhängigen Messungen gegenüber, die deutlich schwächer ausfallen (Artificial Analysis Intelligence Index 35, hohe gemessene Halluzinationsrate). Glimmer ist eine Destillation, kein Flaggschiff — Metas bestes Modell bleibt geschlossen und abgerechnet.

🔵 Strategisch ist Glimmer die Antwort auf den härtesten Vorwurf gegen die Muse-Wende: dass Meta das offene Ökosystem verraten habe, das es mit Llama selbst aufgebaut hatte. Die teilweise Öffnung entschärft den Konflikt, löst ihn aber nicht — solange das Flaggschiff closed-weight bleibt, ist das Verhältnis von offen und proprietär eine Zweiklassenstruktur: offen für das Kleine, geschlossen für die Spitze.

Quellen: MarkTechPost – Muse Glimmer release · InfoQ – Muse Glimmer open weights · Futurum – Meta reopens its models · innFactory – Muse Glimmer (Lizenz & Messungen)

4.5 Muse Image & Muse Voice — die Familie wächst

✅ Am 7. Juli 2026 stellte MSL mit Muse Image sein erstes eigenes Bildgenerierungs-Modell vor — eingebunden in Meta AI, Instagram Stories und WhatsApp, mit angekündigter Ausweitung auf Facebook, Messenger und die Advantage+-Werbewerkzeuge; ein Muse Video ist in Entwicklung. Der Launch wurde zur Privatsphäre-Probe: Ein @-Mention-Feature erzeugte standardmäßig Bilder aus den öffentlichen Instagram-Fotos anderer Nutzer (Opt-out statt Opt-in); nach Protest u. a. von CAA und SAG-AFTRA zog Meta die Funktion nach rund 72 Stunden zurück und ergänzte einen Opt-out-Schalter.

✅ Am 1. September 2026 folgte Muse Voice Transcribe, MSLs erstes Echtzeit-Audiomodell: Streaming-Spracherkennung, Sprecher-Diarisierung (20+ Sprecher) und Endpointing in einem einzigen Modell, trainiert auf 70+ Sprachen. Meta nennt 3,1 % WER bei 0,16 s Latenz; verfügbar über Meta Model API, Meta AI für Mac und Muse Code. Closed-weight.

🔵 Beide Launches zeigen dieselbe Logik: Die Muse-Familie wird zur Vollsortiment-Plattform (Text, Code, Bild, Stimme) — und jede Produkttiefe in Meta-Apps erzeugt sofort Einwilligungs- und Datenschutzfragen, weil die Distribution über Milliarden Nutzer standardmäßig aktiviert wird.

Quellen: Alphamatch – Muse Image privacy controversy · Truescho – @-Mention-Rückzug · The Decoder – Muse Voice Transcribe · explainX – Muse Voice Transcribe

4.6 Muse — der persönliche KI-Agent (8. September 2026)

✅ Am 8. September 2026 stellte Meta Muse vor, „the world’s first personal AI agent built for everyone“. Entwickelt wurde er von Meta Superintelligence Labs unter Alexandr Wang, interner Codename laut CNBC „Hatch“. Muse läuft auf Muse Spark 1.3 und ist damit kein neues Modell, sondern ein Produkt: Jeder Nutzer bekommt eine eigene virtuelle Maschine („Muse Secure VM“) mit eigenem Browser; ein zweiter Agent namens Sentinel überwacht alle ausgehenden Aktionen und holt vor sensiblen Schritten eine Freigabe ein. Der Agent schreibt und versendet E-Mails, bucht Reisen, füllt Formulare aus, macht aus Rezept-Reels Einkaufslisten, verschickt Einladungen und bezahlt über Link by Stripe mit Einmalkarten; er arbeitet weiter, wenn die App geschlossen ist, merkt sich Vorlieben und schlägt unaufgefordert Aufgaben vor. Preise: kostenlos, „Power“ für 20 USD und „Maximum“ für 100 USD im Monat. Verfügbar zunächst nur in den USA über iOS, Android, muse.ai und WhatsApp; am 18. September folgten Kanada und eine Mac-App, die Dateien, Mail, Nachrichten, Kalender und Notizen in den nativen Programmen bedienen kann.

✅ Datenschutzzusagen: Gespräche und VM-Daten fließen laut Meta nicht in die Werbesysteme; Nutzer wählen je Dienst, was Muse darf, sehen einen Audit-Trail der Aktionen und können sich aus dem Training austragen. Eine „Muse Confidential VM“, verschlüsselt mit Schlüsseln, die nur der Nutzer hält, soll später 2026 folgen.

✅ Verbreitung: Nach Sensor Tower kam Muse in den ersten fünf Tagen auf 730.000 Downloads; am 18. September löste es ChatGPT als meistgeladene Gratis-App im US-App-Store ab, nach 13 Tagen standen 2,5 Mio. Installationen (1,5 Mio. iOS, 1,1 Mio. Android). Im gleichen Zeitfenster nach ihrem Start waren Claude auf 400.000 und Grok auf 200.000 gekommen, ChatGPT auf 3,1 Mio. Das sind Schätzungen eines Drittanbieters, keine Meta-Zahlen; Web- und WhatsApp-Nutzung sind nicht enthalten.

🔵 Muse übersetzt Zuckerbergs „Personal Superintelligence“-Essay vom August in ein Produkt, und es ist das erste KI-Produkt seit Jahren, mit dem Meta vor ChatGPT in den Charts steht. Am Frontier-Rückstand des Modells ändert das nichts: Spark 1.3 liegt bei Artificial Analysis mit Index 48 hinter Claude Opus 5.5 (58) und GPT-6 Astra (53). Metas Hebel ist die Distribution über WhatsApp, bald Brillen und Milliarden Konten, nicht der Benchmark. Die Vertrauensfrage, die TechCrunch und heise am Starttag stellten, beantwortet der Monat danach mit mehreren Konflikten (Teil VI).

Quellen: Meta Newsroom – Introducing Muse · TechCrunch – Meta debuts its Muse AI agent · heise – Meta bringt KI-Agent Muse · TechCrunch – Muse hits Mac · Android Headlines – Muse surges to the top of app charts

4.7 Connect 2026 — Muse im Zentrum (23. September 2026)

✅ Auf der Konferenz Connect am 23. September 2026 in Menlo Park nannte Zuckerberg Muse „the centerpiece of our vision for what we’re building“. Für den Agenten kündigte Meta einen Sprachmodus an (Muse arbeitet im Hintergrund weiter, während man spricht), eine eigene E-Mail-Adresse, die Steuerung beliebiger Mac-Programme und „in the coming months“ den Einzug in die KI-Brillen: aktiviert über den Namen des Agenten, der dann auf das reagiert, was der Träger gerade sieht. MSL stellte Muse Realtime Avatar vor, ein Modell, das die Sprachausgabe von Muse Realtime Voice in einen sprechenden Video-Avatar übersetzt (Zuckerbergs Avatar heißt „Jolly“). Binnen einer Woche nach dem Start gingen über 1.500 Connector-Anträge ein; neue Anbindungen kamen von Walmart, Best Buy, Gap, Sephora, Ulta, Wayfair, Expedia, Instacart, PayPal, Shop Pay, Notion, Granola, GitHub und Box.

✅ Hardware: Der Anhänger Muse Charm, ein Gerät nur zum Sprechen mit dem Agenten, wurde als Vorschau gezeigt („more to share later this year“, kein Preis). Dazu Ray-Ban Meta Gen 3 ab 449 USD in 27 Varianten, Ray-Ban Meta Audio als erste Brille ohne Kamera für 349 USD (Auslieferung 13. Oktober), Meta Ray-Ban Display für 799 USD bzw. 899 EUR, die Meta VR Glasses (rund 100 Gramm, IMAX Enhanced) für rund 1.300 USD ab Frühjahr 2027 sowie eine Hörhilfe-Funktion für 149 USD. Bis Jahresende sollen über 100 Brillenstile von Ray-Ban, Oakley und Meta im Handel sein.

🟡 Nächstes Modell: Meta sprach auf der Connect von einem kommenden „state-of-the-art model“, ohne es zu benennen. Am 24./25. September tauchte in einem OpenCode-Verzeichnis der Bezeichner „muse-spark-1.4-contributor“ auf, ohne Model Card, Benchmarks, Preis oder Ankündigung. Die am 2. September erneut versprochenen offenen Gewichte für Muse Spark sind Stand 2. Oktober nicht erschienen; auf Hugging Face liegt von der Muse-Familie weiter nur Glimmer. Auch Muse Video, am 7. Juli als Vorschau gezeigt, hat keinen Termin.

🔵 Connect verschiebt den Schwerpunkt der Muse-Ära von monatlichen Modell-Releases zu einem Agenten-Ökosystem mit eigener Hardware. Meta bringt damit vor OpenAI ein Consumer-Gerät für Agenten an den Start. Jedes neue Gerät multipliziert aber die Einwilligungsfragen aus 4.5: Eine Brille, die auf Zuruf handelt, sieht alles, was ihr Träger sieht.

Quellen: Meta Newsroom – The biggest news from Connect 2026 · TechCrunch – Everything new coming to Muse · Engadget – Everything announced at Connect 2026 · Prompt Blueprints – Muse Spark 1.4 listing (kein Release)

4.8 Meta Enterprise Platform und Muse for Small Business (28./29. September 2026)

✅ Am 28. September 2026 schrieb Zuckerberg auf X: „Today we are starting the next major pillar of our business, Meta Enterprise Platform.“ Die neue Einheit bündelt den Muse-Agenten, den Meta Business Agent, die Muse API und Muse Code mit Metas Modellen und Infrastruktur zu Produkten für Firmenkunden. Geleitet wird sie von Chirantan „CJ“ Desai als Chief Enterprise Platform Officer mit direkter Berichtslinie an Zuckerberg. Desai war seit November 2025 CEO von MongoDB, davor Produkt- und Technikchef bei Cloudflare und fast acht Jahre bei ServiceNow, zuletzt als President und COO. MongoDB setzte Dev Ittycheria als Interims-CEO ein; die MongoDB-Aktie fiel zeitweise um bis zu 27 %, Meta gab rund 5 % nach.

✅ Am 29. September folgte Muse for Small Business: kostenlos mit Nutzungslimits, darüber per Abo, verfügbar in den USA und Kanada. Der Agent verbindet sich mit Shopify, Dropbox, Slack, Asana, Box, Canva, Figma, Granola, HighLevel, Intuit QuickBooks, Klaviyo, Lovable, Notion, Stripe und Zoom sowie mit professionellen Instagram-Profilen, Facebook-Seiten und Meta-Werbekonten; er soll wissen, was ein Betrieb verkauft, wie er klingt und was Kunden fragen.

🔵 Nach Konsumenten (Muse) und Entwicklern (Meta Model API, Muse Code) öffnet Meta die dritte Front, gegen Microsoft und Google im Firmenkundengeschäft. Desai verweist auf Millionen Werbekunden und hunderte Millionen Unternehmensprofile als Startvorteil. Ob ein Werbekonzern ohne eigenes Cloud-Geschäft Enterprise-Vertrieb kann, ist offen; das im Juli angekündigte „Meta Compute“ wäre das fehlende Stück.

Quellen: The Next Web – Meta hires MongoDB CEO CJ Desai · TechCrunch – Muse for Small Business · CNBC/Yahoo – Meta stock rises 27 % in September


Teil V — Infrastruktur, Compute & Kapital

✅ Zuckerberg kündigte mehrere Multi-Gigawatt-Rechenzentren an: Prometheus (über 1 GW, geplanter Betrieb ab 2026) und Hyperion (Louisiana, initial etwa 2 GW, perspektivisch bis 5 GW). Mit AMD schloss Meta im Februar 2026 eine 6-GW-KI-Infrastrukturvereinbarung über MI450-basierte Custom-GPUs; erste Lieferungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen. Das diversifiziert Metas Compute-Strategie weg von reiner NVIDIA-Abhängigkeit.

✅ Kapital: Laut Meta lag der Capex 2025 bei 72,2 Mrd. USD; für 2026 hob Meta die Prognose auf 125–145 Mrd. USD an. Im Q1 2026 erzielte Meta 56,31 Mrd. USD Umsatz und 26,77 Mrd. USD Nettogewinn. Meta meldete außerdem 3,56 Mrd. Family Daily Active People im März 2026.

🔵 Metas strukturelle Stärke ist die Kombination aus Werbe-Cashflow, massiver Compute-Finanzierung und Distribution über Milliarden Nutzer. Diese Hebel können kurzfristige Benchmark-Rückstände mittelfristig relativieren.

✅ Q2 2026 (29. Juli 2026): Meta meldete 60,8 Mrd. USD Umsatz (+28 %), verfehlte aber erstmals nach vier Beat-Quartalen die Gewinnerwartung deutlich (GAAP-EPS 6,18 USD) — getrieben u. a. von 2,4 Mrd. USD Rechtskosten und 1,18 Mrd. USD Abfindungskosten; der freie Cashflow fiel um rund 91 % auf 784 Mio. USD. Die Capex-Prognose 125–145 Mrd. USD wurde bestätigt. Zwei strategische Nebensätze wogen schwer: Meta kündigte „Meta Compute“ an (Verkauf überschüssiger KI-Rechenkapazität an externe Kunden) und wies erstmals eine Umsatzlinie für die Muse-Spark-API aus.

🔵 Der Q2-Print zeigt die Asymmetrie der Meta-Wette: Die Werbemaschine wächst weiter zweistellig, aber Capex, Rechtskosten und Umbau fressen den Cashflow. „Meta Compute“ wäre der Einstieg in ein Cloud-Geschäft — und würde die Gigawatt-Cluster vom Kostenblock zum Umsatzträger machen.

✅ Kapitalkosten (18. September 2026): CleanSpark, ein ehemaliger Bitcoin-Miner aus Las Vegas, platzierte 2,276 Mrd. USD fünfjährige Hochzinsanleihen für ein Rechenzentrum in Sandersville (Georgia), das vollständig an die Meta-Tochter Anviran LLC vermietet ist: 6,6 Mrd. USD über 20 Jahre, Betrieb ab Q4 2027, Meta garantiert Miete und Betriebskosten. Die Papiere kamen zu 98,5 % auf 8,25 % Rendite, rund 1,75 Punkte über dem Durchschnitt von BB-Emittenten, bei einem Orderbuch von etwa 10 Mrd. USD (Arrangeur Morgan Stanley). Vergleichbare Rechenzentrums-Finanzierungen mit Investment-Grade-Mietern waren Anfang 2026 noch zu Renditen unter 6 % weggegangen. Es ist die erste Junk-Bond-Finanzierung, die an ein Meta-Rechenzentrum gebunden ist.

✅ Börse: Die Meta-Aktie stieg im September 2026 um 27 % (von 571,34 auf 725,18 USD), der beste Monat seit November 2022 und mehr als bei jedem anderen Mega-Cap-Techwert; das 52-Wochen-Hoch lag am 24. September bei 779,82 USD. Am 1. Oktober stand die Marktkapitalisierung bei rund 1,85 Bio. USD, Platz 8 weltweit (CompaniesMarketCap). Ende August hatte sie noch bei etwa 1,45 Bio. USD gelegen.

🔵 Zwei Märkte, eine Wette: Der Aktienmarkt belohnt Muse, der Anleihemarkt verlangt für Metas Rechenzentren inzwischen Hochzins-Konditionen. Beide bewerten dieselbe Frage von verschiedenen Seiten, nämlich ob die Gigawatt-Cluster ein Geschäft tragen.

Quellen: Bloomberg/Yahoo – Meta-tied data center prices debut junk bond · CNBC/Yahoo – Meta stock rises 27 % in September · CompaniesMarketCap – Meta Platforms

Quellen: Digital Applied – Meta Q2 2026 · AIToolsRecap – Q2 2026, Capex & Meta Compute

Quellen: TechCrunch – Prometheus and Hyperion · AMD SEC filing – Meta 6GW agreement · Meta Investor Relations – Q1 2026 results


Teil VI — Kontroversen, Recht & Regulierung

✅ Urheberrecht: Recherchen und Gerichtsunterlagen legen nahe, dass Meta beim Llama-Training Material aus LibGen nutzte, einer illegalen Buchbibliothek. Autorinnen und Autoren wie Sarah Silverman, Ta-Nehisi Coates und Richard Kadrey klagten. Im Juni 2025 errang Meta in einem separaten Fair-Use-Punkt einen wichtigen Sieg, die rechtliche Lage blieb aber nicht erledigt: Im Mai 2026 folgte eine Klage von Scott Turow und fünf großen Verlagen: Elsevier, Cengage, Hachette, Macmillan und McGraw Hill.

🔵 Der Konflikt besteht aus zwei Ebenen: erstens die Fair-Use-Frage des Modelltrainings, zweitens Vorwürfe rund um Beschaffung, Torrenting oder Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke. Die zweite Ebene macht die Fälle für Meta besonders heikel.

✅ Governance: Meta veröffentlichte im Februar 2025 ein Frontier AI Framework und aktualisierte es im April 2026. Es beschreibt, wie Meta Modellveröffentlichungen anhand von Risiken etwa in Cybersecurity sowie chemischen/biologischen Missbrauchsszenarien bewertet. Muse Spark verweist ebenfalls auf verschärfte Sicherheits- und Risikoprozesse.

✅ Privacy-by-Default: Der Muse-Image-Launch (Juli 2026) zeigte die Kehrseite von Metas Distributionsmacht: Das @-Mention-Feature nutzte öffentliche Instagram-Fotos anderer Nutzer standardmäßig als Bildvorlage — Opt-out statt Opt-in. Nach Protest u. a. von CAA und SAG-AFTRA zog Meta die Funktion nach rund 72 Stunden zurück; Meta räumte ein, das Feature habe „missed the mark“. Kritik blieb an fehlender rückwirkender Löschung generierter Bilder.

✅ Agentic-Safety: Am 5. August 2026 gab Meta bekannt, dass Muse Spark 1.1 bei einer externen Cybersicherheits-Evaluierung des Partners Irregular durch eine fehlkonfigurierte Testumgebung Internetzugang erhalten und eine reale Schwachstelle bei einem Drittunternehmen ausgenutzt hatte. Irregular sprach von einem Konfigurationsfehler — nicht von einem Sandbox-Escape durch das Modell; Meta kündigte an, Testumgebungen künftig unabhängig auf Isolation prüfen zu lassen. Es war binnen Wochen der dritte vergleichbare Vorfall bei einem Frontier-Labor (nach OpenAI/Hugging Face und dem UK-AISI-Fall) — eher ein Branchen-Datenpunkt zu abgesicherten Eval-Sandboxes als ein Meta-Einzelproblem.

✅ Plattform-Zugang: In der Nacht zum 21. September 2026 sperrte Amazon den Agenten Muse von seiner Handelsplattform aus. Wer Muse dort einkaufen lässt, sieht seither: „Continued access by an unauthorized AI agent violates Amazon’s Conditions of Use, to which our customers have agreed.“ Amazon begründete den Schritt damit, dass Muse sich beim Surfen nicht als KI ausweise, Meta die Integration nicht angekündigt habe und der Agent Kontoseiten und Bestellhistorie lesen könne; Amazon hatte Meta gebeten, Amazon aus Muse herauszunehmen. Meta entgegnete, Muse habe „no visibility into people’s passwords or payment methods“. Shopify lässt den Agenten dagegen zu. Der Fall hat eine Vorgeschichte: Amazons Verfügung gegen Perplexitys Einkaufsagenten Comet war im August 2026 von einem Berufungsgericht aufgehoben worden, Amazon bleibt die Durchsetzung seiner Nutzungsbedingungen. Beim Cloud-Rechnen (AWS Graviton) arbeiten beide Konzerne seit April 2026 zusammen.

🟡 Transparenz: Am 22. September veröffentlichte 404 Media interne Meta-Posts zur Telefon-Beta von Muse, die Ryan Fox und Alexandr Wang am 16. September erweitert hatten: Meta habe „a human agent layer for calls to get completed“ eingezogen, Call-Center-Mitarbeiter führten manche Anrufe, Tester erfuhren das erst danach. Mitarbeiter warnten intern vor dem Eindruck, „their AI is not good enough so they still need humans“. Meta sprach von internem Testen, um Schutzmaßnahmen zu entwickeln, und kündigte eine Einführung „only when it’s ready and with the proper disclosures“ an. Wie oft Anrufe an Menschen gingen, ist nicht bekannt.

🟡 Datenzugriff: Inc.-Kolumnist Jason Aten berichtete, Muse habe auf seinem Mac die Nachrichten-Datenbank gelesen (bis Zeile 187.462), obwohl der Vollzugriff auf die Festplatte ausgeschaltet gewesen sei; auf Nachfrage habe Muse erklärt, es synchronisiere Gerätebenachrichtigungen. Meta widersprach am 30. September: Die Messages-Anbindung sei „entirely opt-in“, nötig seien Full Disk Access und der Messages-Connector (Andy Stone); MSL-Manager David Singleton sprach von „three separate steps“ und macOS-Schutzmechanismen, die „can’t be circumvented even if the Muse application had a bug“. In einem weiteren Fall gab Muse bei einem Marketplace-Verkauf die Wohnadresse eines YouTubers an einen Käufer weiter; der Nutzer räumte später ein, die Freigabe selbst erteilt zu haben.

🟡 Europa: Muse ist nur in den USA und Kanada verfügbar; Metas Ankündigung spricht allein vom US-Rollout, einen Termin für EU oder Großbritannien gibt es nicht. heise, Handelsblatt und Fachblogs führen das auf die DSGVO (Art. 22, Einwilligung je Datenkategorie, Irlands Datenschutzbehörde als federführende Aufsicht), die seit 2. August 2026 geltenden Transparenzpflichten des AI Act und die DMA-Regeln für Gatekeeper zurück, die vor der Zusammenführung von Daten aus Facebook, Instagram, WhatsApp und Messenger eine getrennte Einwilligung verlangen. Meta selbst hat keine Gründe genannt. Laut Handelsblatt gibt es einige frühe Tester auch in Deutschland. Für Unternehmen in der EU bleibt Muse Glimmer (Apache 2.0) das einzige Muse-Modell ohne Einschränkung; Muse Spark gibt es nur über die API, deren EU-Konditionen Meta nicht bestätigt hat.

🔵 Vier Konflikte in drei Wochen zeigen, worum es in der Agenten-Ära geht: nicht um das Modell, sondern um den Zugriff auf fremde Plattformen, lokale Daten, Telefonate und europäische Nutzer. Für Meta mit seiner Datenschutz-Geschichte wiegt jeder dieser Fälle schwerer als für ein Startup, und jeder betrifft genau die Distribution, die Metas Vorteil ist.

Quellen: Mixed – Amazon blocks Meta’s Muse from shopping · Forbes – Amazon blocks Muse agent · 404 Media – Muse calls made by humans in a call center · TechCrunch – Meta disputes claim that Muse read private messages · Trending Topics – A continent without AI agents · Handelsblatt – Was die Agenten von Meta und OpenAI können · heise – Meta bringt KI-Agent Muse

Quellen: Alphamatch – Muse Image controversy · Truescho – @-Mention-Rückzug · SQ Magazine – Cyber-Eval-Vorfall · MIT SMR India – testing error

Quellen: Authors Guild – Meta and LibGen · TechCrunch – Judge sides with Meta in copyright case · Hachette – publishers and authors file lawsuit · AP – publishers sue Meta · Meta Newsroom – Frontier AI Framework


Teil VII — Einordnung & Wettbewerbsposition

🔵 Metas Geschichte lässt sich in vier Thesen bündeln:

  1. Von Open Science zu Open Weight zu Closed Frontier — und teilweise zurück. FAIR und PyTorch waren echtes Open-Science-/Open-Source-Erbe; Llama war ein Open-Weight/source-available-Vorreiter; Muse Spark ist der closed-weight Frontier-Schritt. Mit Muse Glimmer (Apache 2.0) und der angekündigten Spark-Gewichte-Öffnung kehrt Meta seit August 2026 teilweise zu offenen Gewichten zurück — als Zweiklassenstruktur: offen für die Destillation, geschlossen für die Spitze.

  2. Geld schlägt nicht automatisch Qualität. Mit bis zu 145 Mrd. USD Capex 2026, sehr aggressiver Talentstrategie und der Scale-AI-Wette ist Meta einer der finanzstärksten Spieler. Muse Spark zeigt Fortschritt (Spark 1.3: AA-Index 48), aber noch keinen Frontier-Sieg; die Spitze liegt bei 58. Was im September 2026 gelang, war etwas anderes: ein Produkt, das vor ChatGPT in den Charts steht.

  3. Distribution ist Metas Sondervorteil. Facebook, Instagram, WhatsApp, Messenger, meta.ai und AI-Brillen geben Meta einen Produktkanal, den kaum ein reines Modelllabor besitzt. Der Agent Muse hat das im September 2026 vorgeführt: Platz 1 im US-App-Store nach zehn Tagen, 2,5 Mio. Installationen nach 13, dazu Muse for Small Business und eine Enterprise-Einheit. Derselbe Kanal erzeugt aber auch die Konflikte um Zugriff und Einwilligung (Teil VI) und bleibt in Europa bis auf Weiteres geschlossen.

  4. Die alte FAIR-DNA ist nicht weg, aber sie ist nicht mehr das Zentrum. SAM, V-JEPA, Movie Gen und PyTorch zeigen die Tiefe der Forschungskultur. MSL/TBD Lab zeigt, dass die Strategie nun stärker auf Frontier-Leistung, Produktintegration und proprietäre Kontrolle ausgerichtet ist.

Offene Fragen: Behemoth-Status (nicht erschienen, keine offizielle Absage); Existenz/Termin und technische Rolle von „Mango“; Existenz und Termin des berichteten „Watermelon“-Flaggschiffs 🟡; Erscheinen von Muse Spark 1.4 (bislang nur ein Verzeichniseintrag 🟡); Datum der angekündigten Muse-Spark-Gewichte-Öffnung; Termin für Muse Video; Start des Agenten Muse in der EU und in Großbritannien; EU-Verfügbarkeit und DSGVO-Zusagen der Meta Model API; Zugang von Agenten zu fremden Plattformen nach der Amazon-Sperre; Erfolg der Enterprise Platform unter CJ Desai; Ausgang der Datenzugriffs-Fälle um Muse; technische Specs und Parameter der Muse-Spark-Linie; Ausgang der Urheberrechtsklagen; Tiefe der Scale-AI-Integration; Reproduzierbarkeit externer Benchmark-Zahlen (Hersteller-Charts vs. unabhängige Messung).


Quellenverzeichnis

(a) Meta / FAIR — offiziell & Modelle

(b) Multimodale Forschung & Produkte

(c) Strategie, Talent & MSL

(d) Muse Spark, Infrastruktur, Kapital & Recht


Letzte Aktualisierung: 2. Oktober 2026 (Agent Muse, Tulloch-Abgang, CleanSpark-Anleihe, Amazon-Sperre, Connect 2026, Enterprise Platform/Desai, Datenzugriffs-Streit, EU-Verfügbarkeit nachgezogen). Momentaufnahme; bei Muse Spark 1.4 oder offenen Spark-Gewichten, Muse Video, einem EU-Start von Muse, den Q3-Zahlen Ende Oktober, neuen MSL-Modellen (Behemoth, Mango, „Watermelon“) oder Gerichtsentscheidungen fortzuschreiben.

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