Gestalten · C10 · 7 Stufen

AI-Services testen

Wiederholbare Prüfungen, damit eine Workflow-Änderung nicht unbemerkt die Qualität kippt.

Was du in diesem Tutorial tust

Ein AI-Service, den du heute baust, läuft morgen mit einem geänderten Prompt, übermorgen mit einem anderen Modell. Ob das Ergebnis dabei besser oder schlechter geworden ist, merkt man ohne Test meistens erst, wenn sich jemand beschwert.

Testfälle nehmen einen guten Lauf als Referenz auf und vergleichen spätere Läufe dagegen. Den Vergleich macht ein Sprachmodell, nicht ein Zeichenvergleich — das hat Vorteile und eine wichtige Grenze. Voraussetzung: C3, für mehrstufige Services zusätzlich C4.

Quellen und Stand

Geprüft gegen das AuxData-Administratorhandbuch v2.4.1 (Stand 07.09.2026), Kapitel 8, 8.1, 8.2, 8.3, 8.4, 8.5, 8.6, 8.7, 8.8, 8.9, 8.10 und 8.11.

Hinweis: Testfälle setzen die Rolle AgentAdmin, OrgAdmin oder ServiceAdmin voraus. Beschriftungen einzelner Schaltflächen können je nach Produktstand abweichen.

Stufe 1 von 7

Wozu Testfälle

Das Problem heißt Regression: Etwas wird geändert, und etwas anderes bricht.

1Was ein Testfall ist

Ein Testfall ist eine wiederholbare, automatisierte Prüfung für einen AI-Service. Er hält die Eingabewerte und die Ergebnisse eines guten Laufs als Referenz fest. Spätere Läufe werden dagegen verglichen.

Der Nutzen wächst mit der Komplexität: Bei einem einstufigen Service sieht man eine Verschlechterung noch. Bei einem fünfstufigen Workflow, bei dem Schritt 3 seit der letzten Prompt-Änderung eine Zahl weglässt, merkt es ohne Test niemand.

2Wer darf das

Testfälle anlegen, verwalten und ausführen dürfen die Rollen AgentAdmin, OrgAdmin und ServiceAdmin. Der Testfall-Manager liegt im Dropdown-Menü des AI-Service unter dem Eintrag Tests.

Verhältnis zu C6: Feedback (C6) sagt dir, dass Anwenderinnen und Anwender mit einem Ergebnis unzufrieden sind. Tests sagen dir, ob sich etwas verändert hat — auch dann, wenn sich niemand beschwert. Beides zusammen ergibt die Qualitätssicherung, keins ersetzt das andere.
✎ Praxisaufgabe: Liste deine AI-Services auf und markiere die, deren Ausgabe geschäftskritisch ist. Genau die brauchen Tests.

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Stufe 2 von 7

Testfall aufnehmen

Ein Testfall entsteht aus einem echten Lauf, nicht aus einem Formular.

1Der Ablauf

  1. Den AI-Service im Cockpit oder im AI-Service-Manager öffnen.
  2. Das Eingabeformular vollständig ausfüllen, also alle Eingabe-Parameter.
  3. Ausführen klicken und auf das Ergebnis warten.
  4. Im Ergebnis-Schritt Als Testfall speichern wählen.
  5. Im Dialog einen eindeutigen Namen vergeben, etwa „Angebotserstellung — Standardfall“, und optional eine Beschreibung.

Nach dem Absenden ist der Testfall angelegt. Er enthält die Eingabewerte und die Ergebnisse dieses Laufs — bei mehrstufigen Workflows je Schritt.

2Nimm einen guten Lauf

Die Referenz ist nur so gut wie der aufgenommene Lauf. Speicherst du ein mittelmäßiges Ergebnis als Testfall, prüfst du künftig gegen Mittelmaß. Erst das Ergebnis fachlich abnehmen, dann speichern.

3Dateien lassen sich nicht aufnehmen

Nur Text-Parameter werden gespeichert: Kurztext, Langtext, Zahlen, Daten, Auswahlen. Datei-Eingaben werden nicht reproduziert, weil die hochgeladenen Dateien flüchtig sind. Eine Warnung weist darauf hin. Das ist kein Fehler, sondern eine Design-Entscheidung — ein Testfall mit Datei-Eingabe braucht die Datei bei jeder Ausführung neu.

Für Services, die auf Dateien arbeiten, heißt das in der Praxis: entweder einen festen Beispielsatz bereithalten und beim Testlauf erneut hochladen, oder den Text der Datei als Langtext-Parameter mitführen.

✎ Praxisaufgabe: Nimm für einen deiner Services einen Standardfall auf und gib ihm einen Namen, aus dem in einem halben Jahr noch hervorgeht, was geprüft wird.

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Stufe 3 von 7

Testfälle verwalten

Eine Liste, drei Aktionen, ein Dialog mit drei Reitern.

1Die Liste

Der Testfall-Manager zeigt alle Testfälle des Service mit Name, Beschreibung, Anzahl der Schritte und Erfassungsdatum.

Bearbeiten
Öffnet den Dialog mit drei Reitern: Stammdaten (Name, Beschreibung), Eingabe-Parameter (die gespeicherten Werte, je Feld als „Name (schlüssel)“) und Zu prüfende Schritte (erwartete Ergebnisse je Schritt und Auswertungs-Flag).
Löschen
Entfernt den Testfall nach Rückfrage.
Details
Zeigt Eingabe-Parameter und bislang gespeicherte Ergebnisse.

2Das Auswertungs-Flag

Über den Reiter Zu prüfende Schritte legst du fest, welche Schritte überhaupt bewertet werden. Das ist nützlich für Schritte, deren Ausgabe naturgemäß schwankt — etwa ein Schritt, der eine Uhrzeit oder eine laufende Nummer erzeugt. Ein solcher Schritt würde sonst jeden Lauf zum Fehlschlag machen.

✎ Praxisaufgabe: Öffne einen aufgenommenen Testfall und sieh dir den Reiter „Zu prüfende Schritte“ an. Gibt es einen Schritt, dessen Ausgabe zwangsläufig variiert?

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Stufe 4 von 7

Schwellwert setzen

Ein Prozentwert entscheidet über bestanden und fehlgeschlagen.

1Ein Wert je Service

Auf der Testfall-Manager-Seite steht das Feld Schwellwert mit eigener Schaltfläche Schwellwert speichern.

Leer
Es gilt der Plattform-Standard, üblicherweise 80 Prozent.
Zahlenwert 0 bis 100
Gilt für alle Testfälle dieses Service.

2Wie bewertet wird

Den Vergleich macht ein spezialisiertes Sprachmodell, im Handbuch LLM-as-a-Judge genannt. Es vergleicht je Schritt das neue Ergebnis mit der gespeicherten Referenz und gibt an, zu wie viel Prozent beide inhaltlich übereinstimmen. Berücksichtigt werden semantische Ähnlichkeit, Kontext und Absicht sowie Vollständigkeit — es ist also kein Wort-für-Wort-Vergleich.

Ein Test ist nur bestanden, wenn jeder Schritt und das Endergebnis den Schwellwert erreichen. Beispiel bei 80 Prozent: Schritt 1 = 85 %, Schritt 2 = 75 %, Endergebnis = 92 % → fehlgeschlagen, weil Schritt 2 darunter liegt. Ein gutes Endergebnis rettet einen schwachen Zwischenschritt nicht.

3Wohin mit dem Wert

Das Handbuch empfiehlt 75 bis 85 Prozent als Startintervall und warnt davor, den Wert unter 60 Prozent zu setzen — ein Test, der fast alles durchwinkt, kostet Laufzeit und sagt nichts.

Denk an die Bewertungsinstanz: Der Judge ist selbst ein Sprachmodell. Sein Prozentwert schwankt zwischen Läufen. Ein Schwellwert knapp über dem üblichen Score erzeugt deshalb Fehlalarme. Lieber etwas Abstand lassen und die echten Ausreißer sehen.
✎ Praxisaufgabe: Führe denselben Testfall zweimal hintereinander aus, ohne etwas zu ändern. Wie weit liegen die Scores auseinander? Das ist die Streuung, die dein Schwellwert vertragen muss.

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Stufe 5 von 7

Ausführen und lesen

Vier Status-Badges und eine Detailansicht, die den Unterschied zeigt.

1Starten

Auf der Testfall-Manager-Seite stehen Alle ausführen und Auswahl ausführen — letzteres nach dem Markieren einzelner Testfälle. Danach erscheint eine Fortschrittsanzeige. Die Ausführung läuft als Hintergrund-Job und blockiert die Oberfläche nicht.

2Die vier Status

Status eines Testlaufs · nach AH 8.5
StatusBedeutung
BestandenAlle Schritte und das Endergebnis erreichen den Schwellwert.
FehlgeschlagenMindestens ein Schritt oder das Endergebnis liegt darunter.
VeraltetDer Testfall wurde mit einem anderen Workflow erfasst, die Struktur hat sich geändert.
FehlerDie Ausführung brach technisch ab, etwa durch API-Fehler oder Timeout.

Fehlgeschlagen und Fehler sind verschiedene Dinge. Das eine ist ein inhaltliches Signal, das andere ein Betriebsproblem. Wer beides zusammenwirft, sucht am falschen Ende.

3Die Detailansicht

Ein Klick auf einen Testfall öffnet zwei Reiter. Im Reiter Bewertung stehen oben Name, Beschreibung, Aufnahmezeitpunkt, Gesamt-Status und Gesamt-Score. Darunter je Schritt in eigenem Rahmen:

Schritt-Name und Status
Welcher Schritt, wie bewertet.
Score
Übereinstimmung in Prozent.
Erwartet und Tatsächlich
Die gespeicherte Referenz und die neue Ausgabe, gekürzt dargestellt.
Judge-Begründung
Warum diese Quote vergeben wurde, etwa: Format und Inhalt stimmen überein, nur zwei Wörter unterscheiden sich in der Formulierung.

Unterhalb der Schritte stehen erwartetes und tatsächliches Endergebnis im Volltext mit eigener Begründung. Der zweite Reiter Eingabe-Parameter zeigt die gespeicherten Eingabewerte schreibgeschützt.

✎ Praxisaufgabe: Führe einen Testfall aus und lies die Judge-Begründung eines Schritts. Ist die Begründung nachvollziehbar? Wenn nicht, ist das ein Hinweis auf einen zu unscharfen Referenzlauf.

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Stufe 6 von 7

Analyse nutzen

Die Plattform sagt dir nicht nur, dass etwas abweicht, sondern wo sie die Ursache vermutet.

1Zwei Schaltflächen

Analyse
Erscheint unter jedem Schritt, der den Schwellwert unterschritten hat. Das Modell untersucht die vollständige Konfiguration dieses Schritts: Systemprompt, Aufgabenstellung, Ausgabeformat, Such-Prompt, Wissensdatenbank, Modell mit Parametern und Beispiele.
Gesamtanalyse
Untersucht alle abweichenden Schritte gemeinsam und liefert eine übergreifende Einschätzung.

2Aufbau eines Befunds

Die Analyse nennt zuerst eine Ursache in ein bis drei Sätzen und listet dann strukturierte Befunde je Konfigurationseingabe:

Befund-Felder · nach AH 8.8
FeldInhalt
AspektBetroffene Eingabe: Systemprompt, Aufgabenstellung, Ausgabeformat, Suche, Modell, Beispiele
SchweregradOK, Warnung oder Problem
ProblemWas an dieser Eingabe konkret nicht passt
EmpfehlungUmsetzbare Handlungsanweisung
VorschlagFertig formulierter Ersatzwert, sofern sinnvoll

Bei der Gesamtanalyse trägt jeder Befund zusätzlich den Schritt-Titel, zu dem er gehört.

3Empfehlung, kein Fix

Die Analysen sind Empfehlungen eines Modells, keine automatischen Korrekturen. Vorgeschlagene Werte musst du selbst in die Service-Konfiguration übertragen — und vorher prüfen. Ein Vorschlag, der den Score hebt, kann fachlich trotzdem falsch sein.
✎ Praxisaufgabe: Lass für einen fehlgeschlagenen Schritt eine Analyse laufen und entscheide bewusst, ob du den Vorschlag übernimmst, anpasst oder verwirfst. Notiere die Begründung.

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Stufe 7 von 7

Veraltet und Verlauf

Was passiert, wenn sich der Workflow ändert — und wie man Trends sieht.

1Warum ein Test veraltet

Änderst du den Workflow eines Service, also Schritte hinzufügen, entfernen oder umstellen, markiert die Plattform bereits erfasste Testfälle automatisch als veraltet. Sie erkennt die strukturelle Abweichung und kennzeichnet die betroffenen Schritte.

Neue Schritte
Haben keine Referenzdaten, der Vergleich ist unmöglich.
Entfernte Schritte
Werden ignoriert.
Ergebnis
Der Lauf ist zwar möglich, aber nicht aussagekräftig.

2Neu aufnehmen

  1. Den Service manuell mit den ursprünglichen Eingabe-Parametern ausführen.
  2. Das Ergebnis fachlich abnehmen.
  3. Als Testfall speichern wählen und den veralteten Testfall ersetzen.
Zeitnah machen. Ein veralteter Test, der monatelang mitläuft, erzeugt Rauschen und gewöhnt alle daran, rote Badges zu ignorieren. Das ist schlimmer als gar kein Test.

3Der Verlauf

Testfall-Manager und Detailansicht führen eine chronologische Liste aller bisherigen Läufe mit Datum, Uhrzeit, Status und Gesamt-Score. Ein Klick auf einen Eintrag zeigt die historischen Details, ohne sie zu ändern. So siehst du, ob ein Test über Wochen besser oder schlechter wird und wann genau etwas gekippt ist.

4Die Empfehlungen des Handbuchs

  • Tests für jeden Service anlegen, dessen Ausgabe geschäftskritisch ist.
  • Nicht nur Standardfälle abdecken, sondern auch Randfälle.
  • Nach jeder größeren Workflow-Änderung ausführen.
  • Schwellwert nicht unter 60 Prozent; 75 bis 85 Prozent als Startintervall.
  • Veraltete Tests zeitnah neu aufnehmen.
  • Bei anhaltenden Problemen die Analyse nutzen.
✎ Praxisaufgabe: Ändere in einem Testservice bewusst einen Workflow-Schritt und beobachte, dass der Testfall auf „veraltet“ springt. Nimm ihn danach neu auf.

✓ Das hast du jetzt erledigt

Das sitzt.

Du nimmst Testfälle auf, setzt einen tragfähigen Schwellwert, liest Ergebnisse und Befunde und hältst deine Tests aktuell. Damit merkst du eine Verschlechterung, bevor sie jemand meldet.

Kurz-Quiz

Sitzt die Qualitätssicherung?

7 Fragen aus den Stufen 1–7. Kein Zertifikat — zur Selbstkontrolle. Beliebig oft wiederholbar.

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